Ennepetal will mehr Kurzurlauber in die Stadt locken

Bank im Wald, Hinnenberger Heide (Foto: unbekannt)

Bank im Wald, Hinnenberger Heide (Foto: unbekannt)

Die Stadt Ennepetal hat einen Weg eingeschlagen, sich – nicht zuletzt auch mit dem Blick auf die Nachbarkommunen – mehr auf ihre Alleinstellungsmerkmale zu fokussieren. Dazu gehört an vorderster Front der hohe Freizeit- und Erholungswert, den die Klutertstadt zu bieten hat. Im Tourismus sehen die Verantwortlichen noch ganz erhebliches unberührtes Potenzial schlummern.

„Klar ist aber auch, dass wir hier nicht über Jahresurlaube, sondern über Wochenenden reden, an denen die Touristen zu uns kommen“, sagt Volker Külpmann von der Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG, bei der das Thema Tourismus verortet ist.

Er weiß, dass Ennepetal auf einem guten Wege ist, hat viele Ideen in der Hinterhand, legt aber auch den Finger in die Wunde an Stellen, wo er große Defizite sieht, dies er so schnell wie möglich abarbeiten will, wenn Ennepetal touristisch betrachtet den nächsten großen Schritt machen möchte.

Kluterthöhle

Unbestritten ist die Kluterthöhle das Aushängeschild der Stadt Ennepetal, und die macht sich berechtigte Hoffnung, dass dieses Kleinod bald auch an der Autobahn beworben wird. „Wir haben an die Bezirksregierung einen Antrag gestellt, dass wir am Autobahnkreuz Wuppertal Nord mit den offiziellen braunen Schildern, die auf besondere Sehenwürdigkeiten hinweisen, für die Kluterthöhle werben dürfen“, sagt Külpmann. Aus der Erfahrung heraus fallen diese Entscheidungen stets nach den Sommerferien. Gibt die Kommission, die darüber befindet, grünes Licht, dürfte die Stadt Ennepetal auch innerorts in den Nachbarstädten auf den Wegweisern mit dem offiziellen braunen Zusatz werben. „Damit könnten wir aus Gevelsberg und Schwelm die Menschen direkt zu uns führen“, sagt Külpmann.

Auch die Höhle selbst wird weiter hergerichtet. Denn die Krankenkassen bewilligen kaum noch Kuren, so dass die Zahl der Asthmapatienten rückläufig ist, weil dies zuvorderst Selbstzahler sind. Dadurch rücken Reha- und Gesundheitssport in der Höhle in den Fokus.

Nicht zuletzt deshalb soll diese generell attraktiver werden. In fünf Etappen wird sie mit LED-Licht ausgestattet, der erste Bauabschnitt ist bereits beendet.

„Das versetzt uns durch neue Lichteffekte zusammen mit Sounds und der Erschließung neuer Höhlenwege in die Lage, die Führungen noch spektakulärer zu gestalten“, sagt Külpmann.

Neben der Unterhaltung und dem Fokus auf das Geologische, das durch den Geostützpunkt enorme Bedeutung gewinnt, soll noch in diesem Jahr auch die Geschichte mehr im Vordergrund stehen.

„Wir wollen historische und kulturelle Führungswege anlegen, zum Beispiel dazu, dass die Höhle während der beiden Weltkriege Rückzugsort für die Bevölkerung war.“

Touristeninformation

Noch in diesem Jahr soll erstmals eine echte Touristeninformation mit Komplettangebot aufgebaut werden. Sieht es bisher so aus, dass die Leute sich unter der Woche an die Büros der GmbH im unteren Geschoss des Haus’ Ennepetal wenden und am Wochenende an die Kluterthöhle, wird ab April in den ehemaligen Räumen des Ennepetaler Tanzclubs Rot Gold eine Etage höher ein Touristeninformationszentrum öffnen, das sieben Tage die Woche besetzt sein wird.

Im Angebot: Alle touristisch relevanten Informationen, Souvenirs regionale Köstlichkeiten wie der Höhlenkäse, das bundesweite AD-Ticketsystem und natürlich Eintrittskarten für die Höhle. „Schön wäre, wenn wir auch noch einen kleinen Bistrobereich installieren könnten“, sagt Volker Külpmann.

Imagebroschüre

Ziel ist es, in diesem Jahr eine Imagebroschüre zu veröffentlichen.

„Darin sehe ich Sehenswürdigkeiten, Empfehlungen im Umland, und buchbare Angebote, beispielsweise erst Kluterthöhle, dann Sauna und Massage im Platsch, abschließend ein schönes Essen im Restaurant zum Paketpreis“,

sagt Külpmann und träumt davon, dies auszuweiten. In der unmittelbaren Nähe gebe es so viele Attraktionen, beispielsweise Starlight-Express oder das Freilichtmuseum. Solche Verknüpfungen würden nochmals deutlich die Attraktivität steigern, sich für einen Kurzurlaub in Ennepetal zu entscheiden. Sein Wunsch ist es, auch ein Gästeverzeichnis in diese Broschüre einfließen zu lassen.

Gästeverzeichnis

Hier hat die Stadt Ennepetal großen Nachholbedarf. Ein Buchungs- und Informationssystem für Kurzentschlossene fehlt nämlich völlig. „In gedruckter Form sollten Fotos, Adressen und zumindest, ab welchen Betrag es preislich losgeht, vorhanden sein“, sagt Volker Külpmann. Im Internet ist es mittlerweile Standard, dass Vermieter auch aktuelle Kalender bereithalten, in denen freie und belegte Tage sofort ersichtlich sind. In Ennepetal leider nicht. Wer hier sucht, findet noch nicht einmal für jedes Gästezimmer Preise. Für viele ein Hemmnis, überhaupt anzufragen.

„Manche vermieten nur an Monteure, manche generell nicht an den Wochenenden. Wenn wir Anfragen in unserem Haus haben, können wir leider keine Antworten auf Zeiten und Preisen aus einer Hand geben“, sagt Külpmann.

Vernetzung und Zusammenarbeit unter den einzelnen Anbietern sei gefordert. Diese alle unter eine Hut zu bekommen, sei viel Arbeit, aber Külpmann ist davon überzeugt: „Am Ende profitieren alle davon.“

Wandern, Radfahren, E-Bike

Die Natur, das Wandern, Radfahren – egal ob mit purer Muskelkraft oder elektrisch unterstützt – sind die Dinge, weshalb die Menschen, neben den 40 000 jährlichen Kluterthöhlenbesuchern, vorzugsweise nach Ennepetal kommen. „Die Anfragen häufen sich, gerade eben erst haben sich zwei Gruppen aus dem Ruhrgebiet beziehungsweise vom Niederrhein gemeldet“, sagt Külpmann. Auch hier bewegt sich in diesem Jahr neben der normalen Wegepflege einiges. Die Pro-Rad-AG will GPS installieren, die Wander-AG ist dabei, die Beschilderungen auf den Wegen und vor allem auf den Parkplätzen zu optimieren.

„Gute Pläne mit Vorschlägen, wo attraktive Zielen sind, wollen wir ebenso erstellen“, sagt Volker Külpmann.
Und das soll alles erst der Anfang sein.

Text aus der WR vom 09.01.2016 (Stefan Scherer).

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