Nederlands Mijnmuseum in Heerlen

von Ernst Käbisch.

Nederlands Mijnmuseum in Heerlen

 

Das südlimburgische Bergbaurevier ist gar nicht so viel anders als das Ruhrgebiet.

Die Städte Heerlen, Kerkrade, Landgraaf … sind wie Bochum, Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel … und das eben auf holländisch. In Heerlen steht einer von nur noch zwei erhalten gebliebenen Fördertürmen und ist als „Nederlands Mijnmuseum“ eingerichtet. Dieser Förderturm von Schacht 2 der Zeche Oranje Nassau I ist ein stilvoller Malakowturm.

Eigentlich wollten wir heute nach Zandvoort ans Meer und hatten auch schon eine Busfahrkarte für eine Tagesfahrt. Wegen des durchwachsenen Wetters wollten aber nicht genug andere Leute mitfahren und die Busfahrt wurde abgesagt. Und ehrlich gesagt, ist mir das sogar recht. Marion und Tim haben keine Lust auf ein Alternativprogramm und ich kann so einen Ausflug machen, den ich schon immer mal machen wollte.

Adresse: Mijnmuseum Heerlen, Mijnmuseumpad 2, 6412 EX Heerlen, Niederlande

Ein Malakowturm in Heerlen

Wenn man sich – wie ich – alle 14 erhalten gebliebene Malakowtürme im Ruhrgebiet angeguckt hat, elektrisiert einen das ja, dass es kurz hinter der Grenze in Heerlen auch  noch so einen Malakowturm gibt. Auch hier ist es wie bei fast allen der Ruhrgebietsmalakowtürme ein Förderturm einer ehemaligen Steinkohlenzeche, der erhalten bleiben konnte. Nur zwei Fördertürme im Südlimburger Bergbaurevier konnten erhalten bleiben. Der andere Turm ist der von Schacht Nulland in Kerkrade, den ich mir vor einem Jahr auch schon einmal anguckte.

Zuerst sehe ich den Malakowturm gar nicht. Er soll doch laut Google Maps direkt an der Station Heerlen sein …(?) – Aber nach der Rotonde an der Kloosterstraat entdecke ich ein Hinweisschild zum Mijnmuseum und dann finde ich ihn auch als Mittelpunkt eines modernen Gewerbegebietes mit hohen, den unerwartet zierlichen Turm überragenden, Bürogebäuden.

Es ist ein weiteres stilvolles Zechengebäude ganz in der Bauart eines Malakowturms erhalten geblieben, das sogenannte „Ophaalgebouw“. Hier steht die Fördermaschine von Schacht 2 und dahinter sehe ich dann den wunderbaren Malakowturm mit dem Fördergerüst und den Seilscheiben, die sich gerade sogar drehen.

Zechenbahn vor Malakowturm, Foto @ Ernst Käbisch

Zechenbahn vor Malakowturm, Foto @ Ernst Käbisch

Nederlands Mijnmuseum in Heerlen

Wie bei zahlreichen Zechen im Ruhrgebiet, die ich besichtigt habe, sind hier Zechenbahnen, darunter eine uralte Dampflok und Loren und weitere typische Utensilien eines Bergwerks um die Zechengebäude platziert. Am Eingang steht auf einer Schrifttafel, dass das hier ein Rijksmonument ist und im Turm empfängt mich ein älterer Mann, vermutlich ein ehemaliger Bergmann, mit dem ich mich halb auf holländisch, halb auf Deutsch verständigen kann. 4 Euro kostet der Eintritt und ich darf hier Fotos machen, wenn ich sie nicht kommerziell nutze.

Eine Menge Leute sind hier und gucken sich gerade Filme über den Bergbau allgemein und über die Zechen im Limburger Bergbaurevier an, während ich mir die liebevoll zusammengestellte Ausstellung auf 3 Etagen um den Schachtaufzug herum angucke.

Viele der hier ausgestellten Objekte sind mir ja bekannt aus den zahlreichen Ruhrgebietszechen, die ich schon besichtigt habe. Ich bin nur verblüfft, all das auch hier in Holland zu finden. Zuletzt bei Schacht Nulland in Kerkrade war doch außer dem Schachtturm, einer Lore und einer kleinen Gedenkstätte nichts mehr zu finden an Spuren vom Bergbau.

Heerlen war das Zentrum des Limburger Bergbaus. Früher war es ein Dorf und Heerlen erlebte in seiner Geschichte zwei einschneidende Dinge: Das eine war der Beginn des Bergbaus Anfang des 20ten Jahrhunderts und das andere war das Ende des Bergbaus 1974 mit der Schließung der Zeche Oranje Nassau I, in dessen Schachtanlage 2 ich mich hier gerade befinde.

Steinkohlemine Oranje-Nassau I mit zwei Schächten, Foto @ Ernst Käbisch

Steinkohlemine Oranje-Nassau I mit zwei Schächten, Foto @ Ernst Käbisch

Auch die Nachbarstadt Landgraaf von Heerlen war Bergbaustadt

Natürlich interessiert mich nun, ob ich noch weitere Spuren vom Bergbau hier finde. Und direkt an der Spoorsingel ist vor mir ein eindrucksvolles „Mural“ mit einer Seilscheibe und einem Bergmann, der mit erleuchteter Grubenlampe sorgenvoll nach oben blickt.

Durch die Mijnspoorstraat gehe ich nun zu Fuß in Richtung Landgraaf, eine weitere Limburger Gemeinde, in der Bergbau betrieben wurde. Eine ganz Weile irre ich in mir völlig unbekannter Umgebung herum, bis ich dann doch mithilfe eines Stadtplans an der Straße das Bergbaudenkmal der Zeche Wilhelmina entdecke. Das ist eine wie ein Kunstwerk gestaltete Seilscheibe eines Förderturms vor der Halde Wilhelmina, wo obenauf wie in Bottrop eine Skihalle erbaut ist.

Eigentlich wollte ich auch noch eine Gedächtniskapelle an den Bergbau auch hier in Landgraaf unweit von hier besuchen, aber wegen des Nieselregens gehe ich allmählich zurück bzw. diesmal zum Bahnhof Landgraaf. Dank des Stadtplans konnte ich mich ja dann doch ganz gut orientieren. Und Eindrücke vom Limburger Bergbau habe ich für heute reichlich gesammelt.

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Fotos der Tagestour zum Mijnmuseum nach Heerlen, Niederlande
© Ernst Käbisch
Weitere Fotos auf seiner Webseite

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Wer ist Ernst Käbisch? – Hier seine eigene Antwort:

Tja, was soll ich erzählen über mich. Eigentlich bin ich gelernter Werbegrafiker, habe aber nur ein paar Jahre mal in dem Beruf gearbeitet und kann da keine Erfolgserlebnisse draus ziehen, mit ansprechender Gestaltung von Verpackungen und Plakaten Schuhcreme oder andere Produkte zu vermarkten. So habe ich in den letzten Jahrzehnten in ganz anderen Berufen gearbeitet, Taxifahrer, Lagerarbeiter, Pizzalieferant, Wachmann und seit ein paar Jahren arbeite ich als Bote im Krankenhaus, was mir ganz gut gefällt, weil die Atmosphäre da sehr menschlich ist.
Mein Haupt“beruf“ ist aber seit Jahren mein Sohn Tim, der inzwischen 13 ist und derzeit altersgemäß über alles meckert und alles besser weiß, aber bisher nur äußerlich so groß ist wie ich.
Mein Interesse an Bergbau ist eher zufällig entstanden, als ich mich mal vor Jahren auf dem Weg zu Schloss Beck in Bottrop mit Freunden in Gelsenkirchen und Umgebung total verfahren habe und gesehen habe, dass das Ruhrgebiet ganz anders ist, als ich immer gedacht hatte, vielseitiger und bunter und viel interessanter.
Ich bin ja in Ratingen geboren (18.7.1957) und habe lange in Berlin gelebt, jahrzehntelang war das Ruhrgebiet nur Transitland für mich. Inzwischen ist es Heimat geworden, wo ich mich wohl fühle wie sonst nirgends.
Meine Homepage: (…) 

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